Die meisten chirurgischen Eingriffe sowie die Sanierung der Maulhöhle und bestimmte Röntgenuntersuchungen erfolgen bei Haustieren unter Narkose.
Unter Narkose versteht man die Schmerzausschaltung am ganzen Körper, die mit Muskelerschlaffung und tiefem Schlaf einhergeht. Hierzu werden Narkosemittel eingesetzt, die eine vorübergehende Aufhebung der Nervenzell-Funktion bewirken. Der Hauptwirkungsort ist das Gehirn — das zentrale Nervensystem. Gleichzeitig beeinflussen Narkotika andere Körperfunktionen wie Magen-Darm-Aktivität, Atmung, Kreislauf und Herzarbeit. Hier kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen — im schlimmsten Fall zum sogenannten „Narkosezwischenfall".
Durch den Einsatz moderner Mittel, häufig in bestimmten Kombinationen, werden diese unerwünschten Wirkungen so gering wie möglich gehalten. Der Tierarzt kennt in der Regel seinen Patienten und die individuellen Risiken. Daher gehören Narkosezwischenfälle zu den großen Ausnahmen.
Durch den Einfluss der Narkose auf die Magen-Darm-Aktivität kann es zu Erbrechen kommen. Da der Patient dabei bereits schläft, besteht die Gefahr des Erstickens, wenn Erbrochenes in die Luftröhre gelangt.
Vor jeder geplanten Vollnarkose gilt daher:
8–12 Stunden völliger Nahrungsentzug (außer Heimtiere). Trinkwasser darf bis kurz vor dem Eingriff angeboten werden.
Da die Narkose die Körpertemperatur senkt, sollte das Tier nach dem Eingriff zu Hause auf einer Decke auf dem Fußboden liegen — nicht auf erhöhten Flächen, damit es sich beim Torkeln in der Aufwachphase nicht verletzt. Wasser und Futter können wieder angeboten werden, sobald das Tier vollständig wach ist — in der Regel am Tag nach dem Eingriff.
Zur Erkennung von Organerkrankungen empfehlen wir vor der Narkose eine Blutuntersuchung. Diese hilft, das Narkoserisiko so gering wie möglich zu halten und postoperative Komplikationen zu vermeiden.
Durch ein kontinuierliches Monitoring können Komplikationen frühzeitig erkannt werden. Das Hauptaugenmerk der intraoperativen Überwachung liegt auf Herz-, Kreislauf- und Atemparametern.
Die schonendste und sicherste Narkoseform ist die Inhalationsnarkose. Das Narkosegas wird — im Gegensatz zu Injektionsnarkotika, die über Leber und Niere abgebaut werden — direkt über die Atmung wieder aus dem Körper transportiert. Der Tierarzt kann die Narkosetiefe während der Operation jederzeit steuern und im Notfall abbrechen. Die Patienten wachen sehr schnell auf: Ein gesundes, kastriertes Tier ist oft schon eine Stunde nach der Operation wieder auf den Beinen.
Vor der Narkoseeinleitung legen wir bei Hunden einen Venenzugang. Darüber wird ein Kurznarkotikum gegeben, das für etwa 5 Minuten Schlaf ausreicht. In dieser Zeit wird ein Tubus in die Luftröhre eingeführt, durch den das Narkosegas strömt. So ist sichergestellt, dass sich das Tier nicht verschluckt und das Gas zuverlässig die Lunge erreicht. Katzen erhalten vor der Intubation eine Sedation und zunächst Narkosegas über eine Maske.
Die Inhalationsnarkose ist geringfügig kostenintensiver als eine Injektionsnarkose, für das Tier jedoch deutlich sicherer und daher uneingeschränkt zu empfehlen.
Die Dauer der Nachschlafphase hängt von vielen Faktoren ab: Ein junges, gesundes Tier baut Medikamente schneller ab als ein älteres. Bei bestehenden Herz-, Leber- oder anderen Organerkrankungen ist die Leistungsfähigkeit des Organismus eingeschränkt — entsprechend länger kann die Erholungszeit sein.
Eine Besonderheit bei Hunden: Manche Tiere jaulen nach der Narkose laut. Das hat nichts mit Schmerzen zu tun, sondern ist eine rauschähnliche Nachwirkung bestimmter Narkotika — völlig harmlos, wenn auch für den Besitzer manchmal nervenaufreibend.
Sollten Sie noch Fragen zum Thema Narkose haben, sprechen Sie uns gern an!