Die folgende Beschreibung basiert auf einem Fachbeitrag aus dem Hundemagazin. Die Autoren sind ausgewiesene Spezialisten für Kleintierchirurgie.
Kreuzbandriss
Schmerz verursacht durch einen teilweisen oder vollständigen Riss des vorderen Kreuzbandes ist der häufigste Grund für eine Hinterbeinlahmheit beim Hund. Der Anriss oder der vollständige Riss des vorderen Kreuzbandes führt zu einer Instabilität des Kniegelenkes, zu einer Gelenkentzündung und zur Arthrosebildung. Das Ausmaß der Symptome kann sehr unterschiedlich sein. Betroffene Hunde können entweder nur wenig hinken oder eine sehr deutliche Lahmheit zeigen und nur noch auf drei Beinen gehen. Zusätzlich können infolge eines Kreuzbandrisses andere Strukturen sekundär verletzt werden — am häufigsten kommt es zu einer Meniskusverletzung. Aus diesem Grunde wird eine chirurgische Behandlung bei den betroffenen Hunden empfohlen.
Anatomie
Das vordere und das hintere Kreuzband stabilisieren im Zusammenspiel mit anderen wichtigen Strukturen das Kniegelenk. Das vordere Kreuzband beginnt am äußeren Ende des Oberschenkelknochens, zieht von hinten nach vorne und setzt unter dem inneren Meniskus am Schienbein an. Es besteht aus zwei Anteilen: Der vordere Anteil steht unter permanenter Spannung, während der hintere Anteil sich in Beugung lockert — die Fasern des vorderen Anteils reißen deshalb meistens zuerst.
Symptome
Betroffene Hunde zeigen eine unterschiedlich ausgeprägte Lahmheit des Hinterbeines. Besonders nach dem Liegen haben sie oft Mühe aufzustehen. Sekundäre Strukturen versuchen im Laufe der nächsten Wochen das Kniegelenk zu stabilisieren, was zu einer vorübergehenden Besserung führen kann — reißt das Kreuzband jedoch vollständig, kommt es zu einer plötzlichen Verschlechterung. Wird der innere Meniskus verletzt, kann man das charakteristische Umklappen (Meniskusklick) beim Gehen hören. Während des gesamten Krankheitsverlaufs nimmt die Kniegelenkarthrose ständig zu.
Diagnose
Die Diagnose wird vor allem anhand der orthopädischen Untersuchung gestellt. Wichtige diagnostische Tests sind der Sitztest (Beurteilung der Kniegelenkbeweglichkeit), der Schubladentest (Stabilität des Kniegelenks) und der Tibiakompressionstest. Röntgenaufnahmen dienen der Bestätigung der Diagnose und dem Ausschluss anderer Ursachen.
Operation
Sowohl ein kompletter wie ein partieller Riss des vorderen Kreuzbandes müssen operiert werden. In der Literatur sind annähernd 200 verschiedene Operationsmethoden beschrieben. Die Komplikationsrate ist vor allem bei Hunden über 25 kg mit bis zu 34 % relativ hoch. Kleine und mittelschwere Hunde bis 25 kg haben nach einem chirurgischen Bandersatz eine gute Erfolgsrate; bei schweren Hunden sind konventionelle Techniken mit höheren Komplikationsraten verbunden.
Operationstechnik der Korrekturosteotomie des Unterschenkelplateaus nach Dr. Slocum (TPLO)
Eine neuartige Methode, die in den USA bereits seit den 1980er-Jahren angewendet wird und von dem Kleintierchirurgen Dr. Barclay Slocum erfunden wurde, ändert die Biomechanik des Kniegelenkes. Die nach hinten geneigte Unterschenkel-Gelenkfläche wird horizontal korrigiert, sodass das vordere Kreuzband nicht mehr als Stabilisator benötigt wird. Das Gelenk wird nur über einen ca. 1 cm langen Schnitt auf der Innenseite eröffnet. Der Innenmeniskus wird auf Verletzungen inspiziert, anschließend wird der Unterschenkelknochen kreisförmig zerschnitten und das gedrehte Knochenfragment mit einer Platte und Schrauben stabilisiert.
Nachbehandlung und Prognose
Die Hunde belasten die operierte Gliedmaße zwar schneller, brauchen bis zur vollständigen Erholung aber etwas länger, da der zerschnittene Knochen erst wieder verheilen muss. Das bedeutet für den Hund zwei Monate an der kurzen und zwei Monate an der langen Leine. Nach ca. 8 Wochen beginnt der Wiederaufbau der Muskulatur unter Anleitung des Tierarztes.
Quellenangabe: Fachbeitrag aus dem Hundemagazin. Autoren: Dr. med. vet. C. von Werthern (Fachtierarzt für Chirurgie, Dipl. ECVS, Sursee LU); Daniel Damur, Dr. med. vet. (Diplomate ECVS, Tierklinik Masans, Chur); Pierre Montavon, Prof. Dr. med. vet. (Leiter der Klinik für Kleintierchirurgie, Universität Zürich).